«Fasziniert von Peking wie die Wüstenmaus vor der Schlange»: Wieso der Flughafen Zürich wohl das Rennen um die erste Direktflugverbindung von Starlux Airlines nach Europa verloren hat

von Maja Blumer, 7. Februar 2026

Der Flughafen Zürich ist für Starlux Airlines (bestenfalls) zweite Wahl

Nicht ganz zufällig wird Prag ab 1. August 2026 – dem schweizerischen Nationalfeiertag – als erste europäische Stadt von der taiwanesischen Fluggesellschaft Starlux Airlines bedient, verfügt damit also dann über zwei Direktflugverbindungen nach Taipei (China Airlines bedient Prag schon seit 2023).

Der Flughafen Zürich hätte schon 1991 die erste Destination einer taiwanesischen Airline – EVA Air – in Europa sein können (Wien machte damals das Rennen) und kam im Dezember 2025 mit London, Milano und Helsinki erneut in die engere Auswahl. Zürich dürfte von den wirtschaftlichen Perspektiven her erneut ganz vorne gelegen haben. Natürlich spricht auch einiges für Prag, etwa die Nähe zu Dresden als «Saxon Silicon Valley» oder die Beliebtheit Tschechiens bei den taiwanesischen Touristen sowie die schon vor langer Zeit geschaffenen Gesetzesgrundlagen für die Flugverbindung.

Gerade bezüglich dem letzten Punkt müsste eigentlich das Gleiche für die Schweiz gelten. In rechtlicher Hinsicht sind Probleme schwer denkbar: Die Flugverbindung Zürich/Genf–Taipei bestand schon ab 7. April 1995 und die für eine Flugverbindunge nötigen bilateralen Vereinbarungen wurden von den schweizerischen und taiwanesischen Behörden schon von 1991 bis 1994 ausgehandelt. Selbst wenn man bei den Verhandlungen ganz von vorne begonnen hätte, wäre zu erwarten gewesen, dass man mit einem erfahrenen Verhandlungspartner wie Taiwan innert wenigen Monaten zu einem für beide Seiten befriedigenden Ergebnis gekommen wäre.

Nachdem das Interesse von Starlux Airlines an der Bedienung von Destinationen in Europa seit Oktober 2024 bekannt war und die Taiwanese Association in Switzerland im Dezember 2024 sogar eine Petition für die Wiederaufnahme der Direktflugverbindung Schweiz–Taiwan lanciert hat, verblieb mehr als genug Zeit für die Behörden, die rechtlichen Grundlagen für die Flugverbindung in Ordnung zu bringen.

Etwas ist offensichtlichschiefgelaufen. Selbst wenn Zürich dieses Jahr doch noch eine Direktflugverbindung nach Taipei ergattern sollte – sei es, weil Starlux Airlines die Stadt zu ihrer zweiten Destination in Europa erkürt, sei es, weill China Airlines und EVA Air, die sich schon in den 1990er Jahren um die Bedienung der Schweiz beworben haben, noch einmal bewerben sollten – bleibt doch der Makel, dass die Schweiz für Taiwan schon zum zweiten Mal «zweite Wahl» ist.

Unterstützung von Bundesrat Cassis für die Global Governance Initiative von Xi Jinping ausgerechnet am Nationalfeiertag der Republik China als mutmassliche Ursache für den Misserfolg der Schweiz

Dass die Schweiz im Bezug auf Direktflugverbindungen nach Taiwan auch 25 Jahre nach dem Ende der Swissair Asia vorerst ein Luftloch mitten in Europa bleibt, dürfte vor allem auf das Verhalten von Bundesrat Cassis zurückzuführen sein: Er hat sich im Rahmen der Einladung des Aussenministers der Volksrepublik China, Wang Yi, am 10. Oktober 2025 in Bellinzona als Anhänger der Global Governance Initiative von Xi Jinping «geoutet»: Die Schweiz «begrüsse» diese Initiative, sagte Cassis.

Von wem wird Xi Jinping und seine Initiative sonst noch unterstützt? Die Antwort ist klar: von Turkmenistan (1 von 100 Punkten auf dem Index von Freedom House), Nordkorea (3/100), Tajikistan (5/100), Weissrussland (7/100), Kuba (10/100), Iran (11/100), Venezuela unter Maduro (13/100), Laos (13/100), Congo (13/100) usw. Die Liste der Mitglieder Clubs der Friends of Global Governance1 ist weitgehend identisch mit denjenigen, die mit Menschenrechten und Demokratie nichts am Hut haben haben.

Oberstes Ziel der Initiative Xi Jinpings und ihrer Unterstützer: Einmischungen in das, was sie als interne Angelegenheit deklarieren, verhindern. Im Falle Taiwans heisst das konkret: die Annektion der Insel mit militärischer Gewalt – schliesslich, so die Leseart Xi Jinping, sei Taiwan seit Urzeiten Teil des Territoriums der Volksrepublik China gewesen. Dass bei Gelegenheit auch noch einige taiwanesische Spitzenpolitiker, die als Diehard Separatist gebrandmarkt wurden, ausgelöscht werden sollen, ist ein pikantes Detail.

Was die Schweiz unter den Unterstützern einer Initative eines Herrschers zu suchen hat, der offen militärische Gewalt gegenüber einem Nachbarland androht, und im Kreis anderer autokratischer und totalitärer Herrscher, die die Menschenrechte mit den Füssen treten, ist ein Rätsel.

Wang Yi, der «die Schweiz» am 10. Oktober 2025 in Bellinzona dafür belobigt hat, dass sie seit jeher die «Nationale Wiedervereinigung», spricht die Annektion Taiwans (auch mit militärischer Gewalt) «unterstützt» habe, hat mit seiner Behauptung nicht ganz Unrecht. Es ist zumindest eine naheliegende Auslegung der schriftlich dokumentierten Aussage, die Schweiz «begrüsse» die Global Governance Initiative von Xi Jinping. Bundesrat Cassis unterliess jedenfalls bisher jede Relativierung seiner Aussage, etwa im Sinne, dass die Schweiz Gewaltanwendung für die Erreichung des Ziels der «Nationalen Wiedervereinigung» nicht unterstütze.

Seine feindselige Haltung gegenüber der Republik China hätte der Schweizer Aussenminister kaum klarer zum Ausdruck birngen können. Solange er für die Anwendung militärischer Gewalt durch Xi Jinping und seine Gefolgschaft (wer immer das im Moment ist) gegenüber Taiwan plädiert, wird die Republik China, wie Taiwan strenggenommen heisst, kaum bereit sein, der Schweiz bezüglich der 1994/1995 getroffenen Vereinbarungen allenfalls notwendigen Änderungen2 entgegenzukommen.

Das schon aus sicherheitspolitischen Gründen: es müsste wohl geprüft werden, ob die Flugverbindung Schweiz–Taiwan zu militärischen Zwecken missbraucht, werden könnte, wenn die Schweiz die Volksrepublik China bei einem Angriff tatsächlich unterstützen würde.

Was bezweckt Bundesrat Cassis mit seinem Affront gegenüber Taiwan?

Ein Rätsel ist dabei, was Bundesrat Cassis zu seiner Aussage, er begrüsse die Global Governance Initiative von Xi Jiniping und dem damit verbundenen Affront gegenüber Taiwan bezweckt: Ging es nur darum, die Verhandlungen zur Direktflugverbindung «abzuschiessen», oder hatte er andere Motive?

Bundesrat Cassis kann sich weder bezüglich der Bedeutung von Phrasen wie «Nationale Wiedervereinigung» noch bezüglich der Bedeutung des Datums vom 10. Oktober, das er für sein drittes Treffen mit Wang Yi im Jahr 2025 gewählt hat, im Irrtum befunden haben: Als ehemaliger Vizepräsident der Délégation de Taïwan, Republique de Chine (der diplomatischen Vertretung Taiwans in der Schweiz), weiss er zweifellos, dass der 10. Oktober 2025 der Nationalfeiertag der Republik China ist.

Mit seiner Aussage bringt er zunächst die Délégation de Taïwan und dessen neuen Botschafter, Dr. Steve Wang, der erst seit August 2025 im Amt ist, in die Bredouille: Sie kann die Aussage kaum als blöden Irrtum abtun. Ob die Schweiz nun das Recht der Republik China, in der Schweiz eine Botschaft mit allen Rechten und Pflichten zu unterhalten, wie es sich aus dem Freundschaftsvertrag von 1918 ergibt, oder nicht: es handelt sich um einen der schwerwiegendsten diplomatischen Zwischenfälle seit der Aufnahme der (quasi-)diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Republik China 1912 (formelle diplomatische Beziehungen im Sinne der Akkreditierung eines entsprechend ausgebildeten Botschafters wurden seitens der Republik China allerdings erst 1918 und seitens der Schweiz erst 1946 aufgenomen).

Die Aussagen von Bundesrat Cassis vom 10. Oktober 2025 bringen aber auch die Volksrepublik China in Schwierigkeiten, nachdem die Direktflugverbindung Zürich–Taipei nun erst einmal gescheitert ist. Es entsteht der Eindruck, der «Verzicht» auf die Direktflugverbindung nach Taiwan sei der Preis, den die Schweiz bezahle, um Verhandlungen zur «Nachbesserung» des Freihandelsabkommens dürfen zu können.

Nachbarländer der Schweiz dürften sich ins Fäustchen lachen: Gottseidank hat die EU die Idee eines Freihandelsabkommens auf Eis gelegt und forciert stattdessen ein solches mit Taiwan! Zum Glück hat man die Schweiz als Versuchskaninchen vorgeschickt!

Das Freihandelsabkommen der Schweiz mit der Volksrepublik China hat der Eidgenossenschaft objektiv gesehen nicht nur ein gigantisches Handelsbilanzdefizit eingebracht (kumuliert von 2014 bis und mit 2025 sind es knapp CHF 30 Milliarden). Die Flughäfen in Milano, München, Frankfurt, Paris und sonstwo in Europa profitieren auch noch davon, dass taiwanesische Reisende nicht direkt in die Schweiz fliegen können.

Zur Verteidigung der Volksrepublik China ist zu sagen, dass keine Anhaltspunkte bestehen, dass die Volksrepublik China der Schweiz jemals verboten hätte, Direktflugverbindungen zu Taiwan zu unterhalten. Gewisse Rücksichtnahmen, wie den Verzicht auf Hoheitszeichen und auf die Bedienung direkt durch staatliche Fluggesellschaften (China Airlines und Swissair): Ja. Diese Bedingungen waren aber die gleichen wie in den anderen europäischen Ländern und sind heute obsolet.

Wieso also sieht sich Bundesrat Cassis heute genötigt, ausgerechnet am Nationalfeiertag der Republik China (Taiwan) seine Gefolgschaft gegenüber Xi Jinping zu erklären und damit die Direktflugverbindung Zürich–Taipei zu torpedieren, während die meisten europäischen Länder, die USA und Kanada, Ozeanien usw. und sogar die Volksrepublik China selbst inkl. Hong Kong und Macao3 schon seit Jahrzehnten ungestört Direktflugverbindungen nach Taiwan aufrecht erhalten? Und nicht nur das: fast alle anderen europäischen Ländern unterhalten enge bilaterale Beziehungen zu Taiwan und schliessen laufend neue Verträge ab, ohne dass das die Volksrepublik China gross kümmern würde.

Oder anders gesagt: Was veranlasst die Schweiz, sich bezüglich Taiwan ins eigene Fleisch zu schneiden? Über diese Frage wird schon seit Jahren gerätselt. So fragte z.B. Nationalrätin Aubry (FDP) in einer Seitzung der Ausenpolitischen Kommission im Februar 1995:

Récemment à Taiwan, j’ai constaté gue des accords bilateraux avaient été réalisés avec des délégations officielles belge et francaise. L’ASEAN est en plein développement, on a besoin de know-how. Ces délégations on fait peu de cas de ce que Chine pensait du continent. Quand la Suisse fera-t-elle le premier pas? Pourquoi la Suisse en est-elle encore à avoir des émotions et des restrictions alors que de nombreux industriels suisses sont représentés là-bas?

Bundesrat Delamuraz wusste keine rechte Antwort. Ihm konnten ja auch keine Vorwürfe gemacht werden, er würde von Kontakte mit Taiwan scheuen. Immerhin war er es gewesen, der – getarnt mit Strohhut und Sonnenbrille – im April 1991 am Flughafen Taipei seinen Amtskollegen Vincent Siew traf. Er bestätigte indirekt die Vermutung, die «Restriktionen» seien auf irrationale Gründe zurückzuführen: in der Schweiz seien halt manche Leute

«fasziniert von Peking wie die Wüstenspringmaus vor der Schlange.»

Die Volksrepublik China ist zugestandenermassen ein faszinierendes Land – so wie es die Republik China ist. Beide Staaten4 haben eine differenzierte Aussenpolitik verdient. Eine Wüstenspringmauspolitik, bei der man erst zuerst so tut, als wolle man mit den taiwanesischen Zivilluftfahrtsbehörden eine Einigung bezüglich der Wiederaufnahme der Flugverbindung zwischen Zürich und Taiwan anstreben5 und in hochfliegenden Tönen von der dortigen Demokratie spricht6, nur um wenige Monate darauf die Vernichtung Taiwans durch Xi Jinping und seine Gefolgsleute befürworten, zerstört jegliches Vertrauen in die Schweiz und ist nicht in deren Interesse.


  1. Der Club Friends of Global Governance, der weitgehend mit den Friends of Socialist China indentisch zu sein scheint, wurde von der Botschaft der Volksrepublik China bei der UNO in New York im Dezember 2025 gegründet. Ob die Schweiz bereits um formelle Mitgliedsschaft ersucht hat, ist nicht bekannt. ↩︎
  2. Namentlich stellt sich die Frage, wer eine neue Vereinbarung namens der Schweiz unterschreiben würde, wenn sich die Notwendigkeit ergeben würde. ↩︎
  3. Die erste der drei Flugverbindungen, die Starlux Airlines am 23. Januar 2020 aufnahm, war diejenige nach Macao ↩︎
  4. Es ist längst auch vom Bundesgericht anerkannt, dass die Republik China sämtliche völkerrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, die einen Staat ausmachen. Ob und wann die Schweiz die Republik China «aberkannt» hat und welche Folgen dies gehabt hätte, ist eine Frage, die, die man auch im Interesse Aufrechterhaltung der Beziehungen zur Volksrepublik China besser unberührt lässt. ↩︎
  5. Am 14. Mai 2025 hat der Bundesrat angekündigt, es würde nach einer Lösung für die angeblich fehlenden Rechtsgrundlagen für die Flugstrecke zwischen der Schweiz und Taiwan gesucht. Dies setzt (wie schon zwischen 1992 und 1994) praxisgemäss Verhandlungen zwischen dem Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK bzw. dem Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL und der Civil Aviation Administration bzw. dem Verkehrsministerium Taiwans voraus, unabhängig davon, wer das resultierende Abkommen am Ende für die schweizerische und taiwanesische Seite unterzeichnet. ↩︎
  6. Wörtlich wurde in der G-20-Asienstrategie der Schweiz 2025-2028, die Bundesrat Ignazio Cassis verantwortet, geschrieben: «Die Schweiz anerkennt auch den demokratischen Charakter der taiwanesischen Behörden und Gesellschaft». ↩︎

Korrigenda zum Artikel «Die heimlichen Handelsdiplomaten und die Wiederherstellung der Direktflugverbindung Schweiz–Taiwan»

von Maja Blumer, 20. Januar 2026

Seit 1. Januar 2026 sind die Dokumente zur Diplomatiegeschichte des Jahres 1995 öffentlich zugänglich. Der am 26. Dezember 2025 veröffentlichte Artikel «Die heimlichen Handelsdiplomaten und die Wiederherstellung der Direktflugverbindung Schweiz–Taiwan» ist nach der Sichtung dieser Dokumente in einigen Punkten korrekturbedürftig:

  • Weder die in der Datenbank Dodis publizierten Dokumente und noch die im Bundesarchiv gesichteten Bundesratsbeschlüsse vom Januar/Februar 1995 ergeben Hinweise, dass der am 22. Dezember 1994 dem Bundesrat vorgelegte Entwurf zum Vertrag, der die Rechte für die Bedienung der Flugstrecke Schweiz–Taiwan hätte regeln sollen, jemals dem Gesamtbundesrat vorgelegt wurde bzw. ob und wie sich der Bundesrat dazu geäussert hat. Eine solche Genehmigung bzw. die Kompetenzerteilung zum Abschluss des vorgelegten Entwurfs war bei der Vorlage des Entwurfs vom 22. Dezember 1994 beantragt worden. Der Bundesrat hatte ab 1. Januar 1995 die alleinige Kompetenz zum Abschluss solcher Vereinbarungen. Deshalb erscheint es naheliegend, dass er sich mit diesem Vertrag wie beantragt hätte befassen müssen, auch wenn er vielleicht am Ende nur gesagt hätte, die Swissair habe freie Hand zum Abschluss der gemäss Beschluss des Bundesrates vom 26. September 1994 «rein kommerziellen» Vereinbarung.
  • Dokumentiert ist lediglich eine verwaltungsinterne Sitzung vom 27. Dezember 1994 zum Thema Taiwan.
  • Ob der Vertrag am 23./24. Januar 1995 wie vorgesehen von Vertretern der Swissair Asia und der Taipei Airlines Association unterzeichnet worden ist, ist nicht dokumentiert.
  • Wenn die Flugverbindung vom Handelsminister, vom Vize-Verkehrsminister oder anderen taiwanesischen Delegationsmitgliedern bei ihrem Besuch in der Schweiz Ende Juni/Anfang Juli 1995 thematisiert wurde, namentlich beim Treffen mit Bundesrat Delamuraz, Staatssekretär Blankart, Botschafter Girard etc. auf dem Landgut Lohn am 1. Juli 1995, so wurde dies im seit 1. Januar 2026 zugänglichen Rapport nicht erwähnt.
  • Hingegen ist dokumentiert, wieso es kurz nach Aufnahme der Flugverbindung am 7. April 1995 der Swissair zu einer massiven Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Taiwan gekommen ist. Ein Grund unter vielen war, dass der taiwanesische Präsidenten Lee Teng-hui am 23. Januar 1995 zu einem privaten Besuch in der Schweiz eingeladen worden war und dann im Mai 1995 vom Bundesrat de facto wieder ausgeladen wurde.
  • Ebenfalls dokumentiert ist, wieso es der Bundesrat am 7. Februar 1995 plötzlich für nötig befunden hat, Luftverkehrsabkommen für den Linienverkehr mit Uganda und Nordkorea in die Wege zu leiten.
  • Ebenfalls dokumentiert ist, dass man am 7. Februar 1995 im Departement Ogi im Zusammenhang mit den Luftverkehrsverhandlungen mit den USA eine «bescheidene “Gesprächs-Erfolgsquote” der schweizerischen Unterhändler» beklagte.

Ob es dem Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL angesichts der historischen Versäumnisse innert nützlicher Frist gelingen kann, das für die Bedienung der Flugstrecke Zürich–Taipei nötige Air Services Agreement von Grund auf neu auszuhandeln bzw. ob es auf die Vorarbeiten der Jahre 1991 bis 1994 zurückgreifen kann, also ihre «Gesprächs-Erfolgsquote» zu steigern, wird zu beobachten sein.

Welche rechtliche Konsequenzen es hat, dass die Swissair Asia die Strecke Zürich/Genf–Taipei ab 7. April 1995 bis ca. 2002 mit Zustimmung der Republik China bedienen durfte, obwohl möglicherweise keine rechtsgültig unterzeichnete Vereinbarung vorlag (faktisches Vertragsverhältnis?), wäre dann näher zu prüfen, wenn keine neue Vereinbarung über die Flugstrecke erzielt werden könnte.

Darauf, und auf viele andere Fragen, welche die Vorfälle im Jahr 1995 aufweisen, wird in separaten Beiträgen eingegangen. In welcher Form dies geschehen wird, wird noch zu prüfen sein.

Die heimlichen Handelsdiplomaten und die Wiederherstellung der Fluglinie Schweiz–Taiwan

von Maja Blumer, 26. Dezember 2025, Korrekturen vom 19. Januar 2026 (vgl. dazu den Artikel

Am 31. Dezember 2025 kommt es in einem diplomatisches Generationenprojekt in der Schweiz zu einem vorläufigen Abschluss bzw. im besten Fall zu einem Neubeginn: In einer Lichtshow am Taipei 101 soll das Geheimnis gelüftet werden, welche europäische Stadt von der ersten Flugverbindung von Starlux Airlines nach Europa profitieren wird: London, Milano, Prag, Helsinki oder Zürich.

In London, das schon seit 1993 über Direktflugverbindungen nach Taiwan verfügt und derzeit von China Airlines und EVA Air bedient wird, dürfte man den Markteintritt von Starlux mit Gelassenheit entgegenblicken. Höchstens in Manchester wäre man vielleicht ein bisschen verärgert, dass man schon wieder nicht zum Zug kommt.

Dasselbe gilt für Milano. Dort dürfte es herzlich egal sein, ob die Strecke, die seit 2022 von EVA Air bedient wird, ganz oder teilweise von Starlux übernommen wird. Etwas düpiert wäre man höchstens in Venedig, das erst im März 2025 als dritte Option für die Flugverbindung Taiwan–Italien aufgenommen wurde, und allenfalls auch in Rom, wo im Juli 2025 das dreissigjährige Bestehen der Fluglinie von China Airlines gefeiert wurde.

Prag wird seit 2023 von China Airlines bedient. Auch dort dürfte es die meisten potentiellen Kunden wenig kümmern, ob sie nun in einem Flieger des einen oder anderen taiwanesischen Carriers nach Taipei gelangen.

Für mehr Aufsehen dürfte die Ankündigung einer Direktflugverbindung nach Taiwan in Helsinki sorgen. Zwar ist der dortige Flughafen gemessen am Passagieraufkommen nur etwa halb so gross wie der jenige in Zürich. Geografisch gesehen ist die finnische Hauptstadt aber buchstäblich an einer Pole Position für Verbindungen nach Ostasien, vor allem dann, wenn der russische Luftraum wieder uneingeschränkt beflogen werden könnte. Ein unbestreitbarer Vorteil ist auch, dass die finnischen Zivilluftfahrtbehörden und Politiker zusammen mit ihren taiwanesischen Kollegen in unaufgeregter Weise ein modernes Air Services Agreement (Luftfahrtsabkommen) zustande gebracht haben, das forthin als Modell für andere europäische Länder dienen könnte, die noch über kein Luftfahrtsabkommen mit Taiwan verfügen, aber gute Chancen haben, ebenfalls zum Zuge zu kommen (z.B. Dänemark, Schweden, Baltikum). Wenn das im Februar 2025 zwischen den Luftfahrtsbehörden Taiwans und Finnlands abgeschlossene Air Services Agreement innert wenigen Monaten in die Praxis umgesetzt würde, wäre das das Tüpfchen auf das i.

So sehr Finnland der Erfolg zu gönnen wäre, wenn Helsinki den Zuschlag für die erste Flugverbindung nach Taipei erhalten würde, so sehr dürfte in diesem Fall die Niederlage in der Schweiz schmerzen, die vor bald einem Vierteljahrhundert nicht nur ihre stolze Swissair verloren hat, sondern die Direktflugverbindung nach Taiwan gleich damit. Wohl nirgendwo auf der Welt haben sich so viele Bürger im Interesse ihres Landes über Jahrzehnte, ja Generationen hinweg für eine Fluglinie eingesetzt, wie für diejenige zwischen der Schweiz und Taiwan:

Allen voran ist Chang Kuo-wei zu nennen, der Gründer und Verwaltungsratspräsident von Starlux Airlines, die den Flughafen Zürich nun ganz offiziell in die engere Auswahl für ihre erste Destination in Europa aufgenommen hat. Dass dies ein Wagnis ist, zeigt sich daran, dass sich ein Vierteljahrhundert niemand getraut hat, über die zwischen Zürich und Taipei tatsächlich bestehende Flugverbindung auch nur zu sprechen, sieht man von einigen Avgeeks ab, die der «Whisky Golf» der Swissair Asia nachtrauerten, eine MD-11, welche eigens umbemalt wurde, um die Strecke nach Taipei ab 7. April 1995 bedienen zu dürfen, nur um 2005 als Frachtflieger verscherbelt zu werden.

Fans des Gründers von Starlux Airlines und Piloten Chang Kuo-wei holen sich vor dem Jungfernflug von Taipei nach Ontario (CA, USA) ein Autogramm (https://www.youtube.com/watch?v=0W_TAdnWU1Y).

Chang Kuo-wei ist der Erbe von Chang Yung-fa, dem Schifffahrtsmagnaten, der nicht nur Evergreen sondern auch EVA Air gegründet hatte. Chang Yung-fa hatte der Schweiz 1991 ganz offiziell ein Angebot gemacht: Zürich oder Genf hätte die erste Langstreckendestination von dessen EVA Air werden können. Im Bundeshaus in Bern fühlte sich niemand bemüssigt, auf das Angebot zu reagieren. Am 11. November 1991 eröffnete EVA Air stattdessen die erste Flugverbindung Taipei–Wien.

Dass dann im Januar 1995 doch noch die rechtlichen Grundlagen für die Direktflugverbindung Schweiz–Taiwan geschaffen wurden, welche ab 7. April 1995 durch die eigens gegründete Swissair Asia auch tatsächlich während sieben Jahren bedient wurde, war nicht zuletzt einer Vielzahl von Schweizer Bürgern und leitenden Angestellten von Schweizer Unternehmen zu verdanken, die sich als «Heimliche Handelsdiplomaten» betätigt haben. Viele Gespräche wurden z.B. durch die Far East Trade Inc. in Zürich eingefädelt. Dazu, dass diese «Inc.» seit ca. 1974 als quasi-Botschaft Taiwans funktionieren konnte, hatte ein damals in Taiwan ansässiger Schweizer einen wichtigen Beitrag geleistet – seine Tochter setzt sich heute für die Direktflugverbindung nach Taiwan ein. Ebenfalls eine Rolle spielt bis heute die Délégation de Taïwan, die unter anderem die Reisen von «gemischten Delegationen» organisierte, die u.a. 1992 und 1994 in Taiwan stattfanden. Mindestens eine Nichte und ein Neffe früherer Delegationsteilnehmer setzen sich heute wieder für die Direktflugverbindung nach Taiwan ein.

1995 konnten die «Heimlichen Handeldiplomaten» einen Erfolg verbuchen, als die Swissair Asia die Flugstrecke Zürich-Taipei bedienen durfte (Quelle: Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:77af_-_Swissair_MD-11;_HB-IWG@ZRH;31.10.1999_(4704180151).jpg).

Wenn der Flughafen Zürich am 31. Dezember 2025 den Zuschlag für Direktflüge Schweiz–Taiwan erhalten würde, wäre das ein Sieg der Rechtsstaatlichkeit, indem das Vertrauen in die vom Schweizer Bundesrat gefassten Beschlüsse und die darauf beruhenden Verträge geschützt wird, namentlich in den vom Bundesrat am 26. September 1994 zur Direktflugverbindung Zürich/Genf–Taipei gefassten Beschluss sowie den mit Segen des Bundesrats von der Swissair Asia und der Taipei Airlines Association geschlossenen Vertrag.

Es wäre aber auch ein Sieg für eine weitere Generation von «Heimlichen Handelsdiplomaten», die sich in den letzten 25 Jahren allen Repressalien zum Trotz für die Verbesserung der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Beziehungen der Republik China eingesetzt hat.

Wie in den Neunzigerjahren wäre die Direktflugverbindung nach Taiwan erst der Anfang. Können die Schweizer Exporte nach Taiwan wie zwischen 1988 und 2000 verdreifacht werden? Verdoppeln sich die Zahlen von taiwanesischen Besuchern in der Schweiz wie zwischen 1990 und 1999? Eine Direktflugverbindung und eine Handvoll heimlicher Handelsdiplomaten allein dürfte (wie in den Neunzigerjahren) für einen nachhaltigen Erfolg der Direktflugverbindung nicht ausreichen. Aber es wäre ein Anfang.


Das Buch «Heimliche Handelsdiplomaten» von Maja Blumer, welches die Geschichte der rechtlichen und (quasi-)diplomatischen Beziehungen der Schweiz zur Republik China von 1912 bis heute beleuchtet, erscheint im Fajus Verlag voraussichtlich im März 2026.

Protected: Japanischer Jurist als Präsident für das ICAO-Council, Korea sanktioniert Prince Group, Blindflug betreffend Direktflugverbindung Schweiz x Taiwan: Presseschau zur First Island Chain in der KW 48

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